28. April 2020 |

Vision statt Masterplan

Vision statt Masterplan

Wir entwickeln und begleiten mit unserem Unternehmen regelmäßig Masterplanungsprozesse für Städte und Regionen – ein verbreitetes Heilmittel gegen Stillstand und festgefahrene Strukturen. Aber ist es das wirklich? Zur Wahrheit gehört auch, dass diese Planungs- und Strategieprozesse häufig an der konkreten Umsetzungsbereitschaft oder -fähigkeit scheitern. Zu viele Interessen konkurrieren miteinander und oftmals erwachsen daraus nur noch Minimalkompromisse. Dies ist nicht nur für die beauftragenden Kunden frustrierend, nein, auch wir hinterfragen zunehmend die Sinnhaftigkeit solcher scheinbar tradierten Prozesse und Lösungsansätze.

Muss das denn immer so sein?

Ein Blick auf andere Städte und Regionen, mit denen wir regelmäßig arbeiten, zeigt, dass es auch anders gehen kann. Was haben erfolgreiche Beispiele wie die Fahrrad- und Nachhaltigkeitsstadt Kopenhagen, die Architekturmetropole Rotterdam, das Wanderdorf La Val, das Bio- und Nationalparkrefugium Schmilka oder die Null-Emissions-Gemeinde Sprendlingen-Gensingen gemeinsam? Alle haben eine weitreichende Vision formuliert und diese konsequent umgesetzt. Man hat sich auf ein prägendes Thema konzentriert und es wurde ein langfristiges Zielszenario konsequent verfolgt, an dem sich die wesentlichen Entscheidungen orientierten.

Was könnte dies am Beispiel Königswinter bedeuten?

Seit Jahren engagieren wir uns in unserer Nachbarstadt am Rhein. Wir sind überzeugt, dass ich diese Stadt am Rhein und am Fuße des Siebengebirges weit unter Wert verkauft und es enorme Entwicklungschancen gibt. Die Lösungsansätze sollte man jedoch überdenken.

Anstatt alle Problemfelder auf einmal lösen zu wollen, sollten die Stadt und die verantwortlichen Akteure mutige Ziele und Visionen definieren und diese konsequent umsetzen.

Vision 1

Königswinter soll die schönste und innovativste Uferpromenade am Rhein bekommen und setzt dabei europaweite Maßstäbe. Das Angebot an Gastronomie, Unterhaltung (Boule, Kinderspielplätze, Strandbad…) und die Aufenthaltsqualität (Flanieren, Liegestühle in der Abendsonne, Terrassen über dem Rhein…) sind so attraktiv, dass Besucher nur deshalb nach Königswinter fahren.

Vision 2

Königswinter wird das Labor für moderne und innovative Hotel-, Gastronomie- und Tourismuskonzepte. Hier werden Regionalität, Naturerlebnis, Mobilität und Nachhaltigkeit mit neuen Technologieansätzen kombiniert. Die Stadt lädt Unternehmen, Hochschulen und Privatinvestoren ein, in diesem Feld Neues auszuprobieren und dabei zukunftsorientierte Lösungen zuzulassen und umzusetzen. Es wird bürokratiearme Unterstützung angeboten. Das einstige Massentourismusziel erfindet sich neu und setzt Maßstäbe.

Vision 3

Königswinter wird das Zentrum für Weinkultur am Rhein. Hier entsteht das modernste und innovativste Weinerlebniszentrum Deutschlands, in dem die Geschichte des Weinanbaus am Rhein erzählt und mit zeitgemäßen Methoden vermittelt wird. Individualgäste und Gruppen können Weine aus unterschiedlichsten Lagen probieren und kaufen. Über Filme, Führungen, Weinbergwanderungen, Workshops und gemütliche Weinproben wird Weinanbau und Weingenuss klassisch aber auch auf neue Art vermittelt. Auch für Kinder werden spannende Erlebnisangebote geschaffen.

Es gibt sie, die positiv-dynamischen Prozesse!

Was geschieht, wenn solche Visionen gemeinsam formuliert werden? Es entsteht eine Aufbruchsstimmung. Menschen mit innovativen Ideen, Investoren und Bürger*innen werden sich melden, die sich für diese Ansätze interessieren und etwas dazu beitragen möchten und können. Rasch entstehen konkrete Lösungsalternativen und eine positive, umsetzungsorientierte Dynamik. Gleichzeitig verbessern sich durch solche Qualitätsimpulse andere Problemfelder in einer Stadt von alleine – Menschen glauben wieder an eine Zukunftsperspektive, tätigen Investitionen und schaffen neue Angebote, die zu einer weiteren Profilierung beitragen. Dies zeigt sich in praktisch allen oben genannten Beispielen.

Weniger Abhängigkeit von Fördermitteln

Eine weitere Erkenntnis aus der Praxis zeigt, dass solch ungewöhnliche Ansätze in der Regel nicht an finanziellen Mitteln scheitern. Eher umgekehrt: erst mit innovativen Visionen und den konkreten Umsetzungsideen werden Investoren und Geldgeber aufmerksam und sind bereit, sich zu engagieren. Dadurch wird gleichzeitig die ausschließliche Abhängigkeit von Fördermitteln verringert und es entstehen neue Handlungsspielräume.

“Ich wünsche mir, dass Städte und Regionen den Mut haben, neu und mutig zu denken und bereit sind, andere Weg einzuschlagen. Letztlich wollen wir alle, dass unser Tun zu einem Erfolg führt.”
Ulrich Keinath, Geschäftsführender Gesellschafter, projekt2508 Gruppe